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Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge

Frage von Claudine Konsbruck

Infolge der Invasion der Ukraine durch Russland ist Luxemburg, wie andere Länder auch, mit einem Zustrom von ukrainischen Flüchtlingen konfrontiert. Der Krieg in der Ukraine ist eine menschliche und humanitäre Katastrophe. Ich begrüße die raschen und pragmatischen Bemühungen der Stadt Luxemburg seit den ersten Tagen der Ankunft von Geflüchteten in Luxemburg. Die Planung der Betreuung der Flüchtlinge ist recht schwierig, da sie in der SHUK (Structure d’hébergement d’urgence Kirchberg) ankommen, ihr Asylantrag dann untersucht wird, sie einen provisorischen Schutzstatus erhalten und erst anschließend auf die verschiedenen Strukturen bzw. Gastfamilien aufgeteilt werden. Ich begrüße die große Solidaritätswelle, die von der Bevölkerung ausgeht. Kann der Schöffenrat den Gemeinderat über die Maßnahmen informieren, die bisher getroffen wurden, um die aus der Ukraine geflüchteten Personen – vor allem Frauen und Kinder – aufzunehmen, zu beherbergen, einzuschulen und zu integrieren? Hat der Schöffenrat die dringenden Bedürfnisse identifiziert, bei denen er direkte Hilfe leisten kann? Die CSV-Fraktion hat zusammen mit Rat Radoux (DP) eine Motion zu diesem Thema eingereicht.

Frage von Claudie Reyland

Ich begrüße die große Solidarität der Luxemburger Bevölkerung mit den Flüchtlingen sowie die Maßnahmen, welche die Stadt Luxemburg ergriffen hat, um diesen Personen, die wegen des fürchterlichen Krieges aus ihrem Land geflohen sind, zu helfen. Welche Maßnahmen hat der Schöffenrat bislang für die Aufnahme der Flüchtlinge getroffen? Wie werden die Flüchtlinge untergebracht? Erhalten die Gastfamilien finanzielle oder andere Hilfen seitens der Stadt Luxemburg? Erhalten die in Gastfamilien untergebrachten Flüchtlinge Unterstützung, um Lebensmittel und die nötigsten anderen Produkte zu erwerben (z.B. Einkaufsgutscheine)? Haben die Flüchtlinge kostenlos Zutritt zu den kommunalen Schwimmbädern und den anderen Sporteinrichtungen der Stadt Luxemburg? Erhalten diejenigen Personen, die mit dem Auto vor dem Krieg geflüchtet sind, eine Parkvignette für ihr Fahrzeug? Haben die Gastfamilien, von denen manche 6 Personen beherbergen, ohne Mehrkosten Anrecht auf größere Mülltonnen? Wie sind die Aufnahme und die Einschreibung der geflüchteten ukrainischen Kinder in den öffentlichen Schulen und den Schulfoyers der Stadt Luxemburg geregelt? Könnten die Flüchtlinge ein Gratis-Abonnement für das Fahrrad-Mietsystem „vel’OH“ erhalten?

Antwort von Bürgermeisterin Lydie POLFER 

Der Schöffenrat hat dafür gesorgt, dass alles bereit war, um den Flüchtlingen bestmöglich zu helfen. Alle betroffenen Dienststellen der Stadt Luxemburg (Direction sociale, Service Biens communaux et aménagement foncier, Service Enseignement, Service Sports, Service Architecte-Maintenance, Service Hygiène, Service Parcs...) haben in den vergangenen vier Wochen enorme Arbeit geleistet.

Die Invasion der Ukraine durch Russland fand am 24. Februar statt. In seiner Sitzung vom 28. Februar hat der Gemeinderat eine Motion angenommen, in welcher die Invasion der Ukraine durch Russland verurteilt und der Schöffenrat aufgefordert wird, „alle Anstrengungen zu unternehmen, um für die Aufnahme und Unterbringung der Flüchtlinge, die Opfer dieses Angriffs geworden sind, bereit zu sein“. Seit vier Wochen beginnt jede Sitzung des Schöffenrates mit dem Punkt „Krise in der Ukraine“. Es wurde ein Krisenstab mit Vertretern aller betroffener Dienststellen der Stadt Luxemburg eingesetzt.

Die ehemalige Vorschule im Rollingergrund wurde der Vereinigung der Ukrainer in Luxemburg für die Aufnahme von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Die Stadt Luxemburg hat das Hotel Graace in Bonneweg angemietet, um dort in Zusammenarbeit mit Caritas eine Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zu betreiben. Das ONA (Office national de l’accueil) hat sich an die Stadt Luxemburg gewandt, um größere Aufnahmestrukturen zu schaffen. Die Stadt hat reagiert, indem sie das ehemalige Creos-Verwaltungsgebäude in Hollerich zur Verfügung gestellt hat. 120 Flüchtlinge wurden dort untergebracht. Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit den betroffenen staatlichen (ONA) sowie privaten Akteuren (Caritas, Rotes Kreuz, ASTI, etc.). Das Gebäude wurde innerhalb von fünf Tagen vorbereitet. Ein Spielplatz ist dort verfügbar. Das ehemalige CAPEL-Gebäude auf „Itzeger Stee“ wird vom Gesundheitsministerium genutzt, um dort Flüchtlinge unterzubringen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden. Die Stadt Luxemburg hat dem Staat vorgeschlagen, auf die ehemalige Feuerwehrkaserne zurückzugreifen, falls zusätzliche Kapazitäten erforderlich sein sollten.

Die ehemalige Schule in Clausen kann vom Unterrichtsministerium genutzt werden, um dort einen Teil der geflüchteten Kinder zu unterrichten. Der diesbezügliche Bedarf muss noch geklärt werden. Mt dem Unterrichtsministerium wurde vereinbart, dass die älteren Schüler (die ein Lyzeum oder eine Grundschule ab dem Zyklus 2 besuchen) internationale Schulen besuchen sollen. Personen, die aus der Ukraine stammen und Deutsch sprechen, werden eingebunden, um den Schülern zu helfen. Die ukrainische Regierung bietet den geflüchteten Schülern Online-Kurse an.

Die Kinder des Schulzyklus 1, die nicht mehr in der SHUK auf Kirchberg untergebracht sind, werden im Rahmen des Möglichen in das Luxemburger Schulsystem integriert. Die Grundschulen mancher Stadtviertel haben viel Erfahrung mit der Integration von Kindern in das Luxemburger Schulsystem, weil das ganze Jahr über Kinder aus vielen Ländern ankommen.

211 Personen aus der Ukraine sind zurzeit (28.03.2022) bei der Stadt angemeldet, davon 13 Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahren, 29 Kinder im Alter von 5 bis 9 Jahren, 24 Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren und 14 Jugendliche von 15 bis 19 Jahren. Etwa 50 Kinder aus der Ukraine werden demnach die Grundschulen der Stadt Luxemburg besuchen. Die Stadt ist auf diese Herausforderung vorbereitet.

Die Flüchtlinge werden in verschiedenen Stadtvierteln untergebracht, vor allem in Belair, Bonneweg, Hollerich, Limpertsberg, Gasperich und im Bahnhofsviertel.

Die Stadt Luxemburg bemüht sich, den Kindern Freizeitaktivitäten anzubieten, z.B. indem sie ihnen Fußballtore zur Verfügung stellt, aber auch, indem sie in von der Stadt Luxemburg organisierte Sport- oder Kulturaktivitäten eingeschrieben werden.

Die wenigen Flüchtlinge, die mit ihrem eigenen Auto nach Luxemburg gekommen sind – es handelt sich vor allem um Personen, die bei Familienmitgliedern untergebracht sind –, haben Anrecht auf eine Parkvignette mit einer Gültigkeit von sechs Monaten. Die „agents municipaux“ stellen zurzeit keine Strafzettel für in der Ukraine zugelassene Fahrzeuge aus, um den Flüchtlingen, die gerade erst in der SHUK angekommen sind, Zeit zu geben, die nötigen Schritte zu unternehmen.

Die Flüchtlinge werden die Schwimmbäder der Stadt Luxemburg gratis benutzen können. Die Stadt wäre auch bereit, ihnen die kostenlose Nutzung des „vel’OH !“-Systems zu ermöglichen, falls eine entsprechende Anfrage eingereicht würde.

Was das höhere Abfallvolumen durch die höhere Bewohnerzahl betrifft, können Bürger, welche Flüchtlinge aufgenommen haben, sich bei der Stadt Luxemburg melden, damit eine Lösung für die Bereitstellung einer größeren Mülltonne gefunden wird.

Die Frauen, die mit ihren Kindern in der SHUK untergebracht sind, haben allerdings derzeit andere Sorgen. Sie versuchen ständig, über Mobiltelefon Informationen über die Situation ihrer Angehörigen in der Ukraine zu erhalten. 60 iPads wurden an die Vereinigungen Caritas, Rotes Kreuz und ASTI verteilt, um den Kindern, die keinen Zugang zu einem Computer haben, zu ermöglichen, die von der ukrainischen Regierung organisierten Kurse zu verfolgen.

Das ONA war auf der Suche nach Standorten, an denen eine große Zahl von Flüchtlingen beherbergt werden könnten, vor allem für den Fall, dass ein Teil der 600 Plätze in der SHUK nicht mehr verfügbar wäre. Zwei Strukturen werden derzeit zu diesem Zweck eingerichtet: eine auf Kirchberg mit 500 Plätzen und eine in einem ehemaligen Bürogebäude in Gasperich mit 200 Plätzen.

Die Frage der Wohnstrukturen stand auch im Mittelpunkt einer Unterredung mit dem Syvicol. Die Vertreter mehrerer Gemeinden betonten dabei, dass sie über geeignete Standorte verfügen, um Strukturen dieser Art zu schaffen, dass der Staat diese Standorte aber noch nicht zurückbehalten habe. Das ONA erklärte dazu, dass es leichter sei, eine begrenzte Anzahl größerer Strukturen zu schaffen und zu verwalten als eine große Anzahl kleinerer Strukturen. Letztere sind besser geeignet als längerfristige Wohnstrukturen für Personen, die das Flüchtlingsstatut erhalten haben.

Nach Angaben des Staates ist die Hilfe, welche den Flüchtlingen geboten wird, zurzeit die gleiche wie bei vorangehenden Flüchtlingswellen. Die in der SHUK untergebrachten Flüchtlinge erhalten kostenlose Mahlzeiten sowie rund 200 Euro pro Monate pro Erwachsener. Es handelt sich um eine Kompetenz des Staates, doch ist die Stadt Luxemburg bereit, zusätzliche Hilfestellung zu bieten, falls der Staat in diesem Bereich Änderungen planen würde.

Die von den Fraktionen CSV und DP eingereichten Motion wird im Hinblick auf eine eingehende Diskussion an die zuständige beratende Kommission weitergeleitet.

Der Schöffenrat verpflichtet sich, den Gemeinderat über die zukünftigen Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.

Grundschule von Gasperich

Frage von Christa Brömmel

Bei der Generalversammlung des Interessenvereins Gasperich im Juni 2021 wurden mehrere Beschwerden über die Sicherheit und den Zustand der Schulgebäude, die sich auf einem eingezäunten Campus befinden, geäußert. Im Laufe der Zeit sind Schäden an verschiedenen Gebäuden aufgetreten. Stimmt es, dass mehrmals in die Grundschule von Gasperich eingebrochen wurde? Welche Schäden wurden dabei verursacht? Wurden die Schuldigen ausfindig gemacht? Hat die Stadt Luxemburg Maßnahmen ergriffen, um den Standort abzusichern und zukünftigen Einbrüchen vorzubeugen?

Sind die beiden Hausmeisterwohnungen derzeit belegt, bzw. ist geplant, diese zu belegen? Könnte der Standort besser überwacht werden, wenn die Pförtnerwohnung in der ersten Etage des Vorschulgebäudes bewohnt wäre?

Wurden auch an anderen Schulstandorten Einbrüche verübt? Gab es negative Auswirkungen auf den Unterrichtsablauf? Kann der Schöffenrat präzise Angaben über den Zustand des alten Gebäudes (rue de Gasperich) sowie der „Spillschoul“ (coin rue Verdi/rue Rossini) liefern? Werden zurzeit Renovierungsarbeiten durchgeführt? Wann sollen diese abgeschlossen sein? Stimmt es, dass eine gewisse Anzahl an Schülern, die in Gasperich wohnen, die Schule in Cessingen besuchen? Ist diese Situation dadurch bedingt, dass es an Klassensälen fehlt, dass die Schülerzahl gestiegen ist (vor allem im Zyklus 1) und durch den Umstand, dass Kinder aus anderen Gemeinden, die bei privaten Foyers im Viertel eingeschrieben sind, die Schule in Gasperich besuchen? Wird diese Situation von Dauer sein? Wie wird der Transport dieser Schüler sichergestellt? Verfolgt der Schöffenrat weiterhin das Projekt, südlich der neuen kommunalen Kindertagesstätte in der Rue de Gasperich ein neues Vorschulgebäude zu errichten? Wie gedenkt der Schöffenrat den Zustrom von Kindern in den bestehenden Gebäuden der Grundschule und des Schulfoyers von Gasperich zu verwalten, wenn diese neue Kindertagesstätte nicht gebaut wird? Sind weitere Infrastrukturprojekte auf dem gesamten Standort vorgesehen?

Antwort von Bürgermeisterin Lydie POLFER 

Die Kompetenz, um die Einbrecher zu finden und zu bestrafen, liegt bei der Polizei und der Justiz.

Antwort von Schöffin Colette Mart

Es gab vier Einbrüche in der Gaspericher Schule.

Der erste Einbruch ereignete sich im Vorschulgebäude in der Rue Verdi. Dabei wurde nichts entwendet.

Der zweite Einbruch wurde während des Osterwochenendes 2021 in der Grundschule verübt und am 6. April von der Hausmeisterin festgestellt. Die Eindringlinge haben die Nebentür zum Keller aufgebrochen, Computerausrüstung gestohlen und Wände mit Graffiti beschmiert.

Zum dritten Fall kam es in der Nacht des 13. April 2021. Der Hausmeister stellte den Einbruch am 14. April morgens fest. Die Einbrecher hatten drei Eingangstüren aufgebrochen, um sich Zutritt zum Gebäude zu verschaffen. Sie hatten auch erfolglos versucht, mit Hilfe eines Feuerlöschers das Glas der Eingangstür des Sportzentrums zu durchbrechen. Bei diesem dritten Einbruch waren die Schäden größer: Beschädigung von Computermaterial, Aufbrechen von drei Außen- sowie von einer Innentür, Graffiti auf dem Fußboden von drei Klassensälen sowie auf zwei Türen von Klassensälen, Beschädigung von acht Türen von Klassensälen, Farbe auf einem Vorhang in einem Klassensaal und Entleerung aller Feuerlöscher, die in den Fluren im Untergeschoss installiert waren.

Der bei diesen beiden Einbrüchen entstandene Schaden beläuft sich auf 104.115,94 €. Die Versicherungen der Stadt Luxemburg übernehmen die Reparaturkosten.

Der vierte Einbruch wurde in der vergangenen Nacht verübt. Details sind noch keine verfügbar.

Es gab auch vier Einbrüche in die Schule von Hollerich, wo Computerausrüstung gestohlen bzw. beschädigt wurde, sowie zwei Einbrüche in die Schule Gaston Diderich in Belair.

Der Schöffenrat hat auf diese Einbrüche reagiert, indem die PCs in den Schulen durch Laptop-Computer für das Lehrpersonal ersetzt wurden, die Lehrkräfte gebeten wurden, die Laptops abends mit nach Hause zu nehmen, und eine Ausschreibung lanciert wurde, um eine Wach- und Schließgesellschaft mit der Sicherheit der Gebäude zu betrauen.

Die Schulgelände sind außerhalb der Schulzeiten nicht geschlossen, da der Zugang zu den Schulhöfen, die als Spielplätze dienen, gewährleistet sein muss. Ich möchte in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass die Stadt Luxemburg Beschwerden erhielt, als der Schulhof in der Rue Demy Schlechter nach Schulschluss geschlossen wurde.

Eine der beiden Pförtnerwohnungen ist zurzeit belegt.

Was die Renovierungen betrifft, wurden die Fenster der Grundschule renoviert und die Klassensäle neu gestrichen. Es müssen Isolierungsarbeiten am Dach durchgeführt werden und die Kellerfenster zur Seite der Rue de Gasperich müssen ersetzt werden.

Die Eingangstüren der „Spillschoul“ (19, rue Verdi) werden ersetzt und die Toiletten renoviert. Dieses Gebäude Nr. 19, Rue Verdi, wird innerhalb von fünf Jahren durch ein neues Gebäude für den Zyklus 1 ersetzt. Errichtet wird dieses auf einer Parzelle neben dem Scouts-Chalet in der Rue Kemmer.

Eine Erweiterung des Schulgebäudes in der Rue de Gasperich ist für das Jahr 2026 geplant. Es stimmt nicht, dass die Zahl der Schüler des Zyklus 1 in Gasperich gestiegen wäre.

Nur wenige Kinder, die in anderen Gemeinden wohnen und in privaten Tagesfoyers eingeschrieben sind, besuchen die Schule in Gasperich. Diese Kinder werden bei der Schulorganisation der Stadt Luxemburg nicht berücksichtigt.

Zurzeit gibt es keine freien Plätze in der Früherziehung in Gasperich, doch ist wegen der ungenügenden Zahl an Einschreibungen nicht vorgesehen, eine dritte Klasse hinzuzufügen. Vier Kinder, die in Gasperich wohnen, sind in der Früherziehung in Cessingen eingeschrieben, dies auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Eltern. Es wird kein Schülertransport zwischen Gasperich und Cessingen organisiert. Es befinden sich noch vier Kinder auf der Warteliste für die Früherziehung in Gasperich. In diesen vier Fällen hatten die Eltern den Antrag nach Ablauf der Anmeldefrist gestellt. Kinder aus anderen Gemeinden werden in der Früherziehung nicht aufgenommen, sodass es falsch wäre, zu behaupten, dass Kinder aus Gasperich wegen Kindern aus anderen Gemeinden keinen Platz in der Früherziehung fänden.

Ökologischen und sozialen Fußabdruck der Berufskleidung der Mitarbeiter der Stadt Luxemburg

Frage von François Benoy

Die Textilindustrie hat viele negative Auswirkungen, insbesondere durch CO2-Emissionen sowie die Verschmutzung von Gewässern und Böden. Kinderarbeit ist in diesem Industriezweig weit verbreitet. Jeder Einwohner Luxemburgs entsorgt pro Jahr im Durchschnitt 12,26 Kilogramm Textilien. Zur Bekämpfung der zahlreichen negativen Folgen der Textilindustrie im Sozial- und im Umweltbereich ist es wichtig, auf Kleidung zurückzugreifen, die über ein Gütesiegel verfügt und aus Rohstoffen aus der Bio-Landwirtschaft sowie aus dem fairen Handel hergestellt wurde, doch es ist ebenfalls wichtig, Kleidung länger zu benutzen bzw. wiederzuverwerten.

Bei welchen Dienststellen der Stadt Luxemburg wird den Mitarbeitern Berufskleidung zur Verfügung gestellt? Wie viele Mitarbeiter sind betroffen? Wie oft wird diese Berufskleidung ausgewechselt, und was passiert mit der nicht mehr genutzten Kleidung? Kauft die Stadt Luxemburg Berufskleidung aus fairem Handel und aus Rohstoffen, die aus der Bio-Landwirtschaft stammen? Um welche Gütesiegel handelt es sich gegebenenfalls? Gedenkt der Schöffenrat, in Zukunft ausschließlich Kleidung zu erwerben, die aus der Bio-Landwirtschaft und aus dem fairen Handel stammt oder sogar aus wiederverwerteten Materialien, die im Sinne des Upcycling aufgewertet wurden?

Antwort von Schöffe Patrick GOLDSCHMIDT 

27 Gemeindedienste verwenden Berufskleidung, was etwa 1.700 Mitarbeitern entspricht. Die Kleidung wird ersetzt, wenn die Größe nicht mehr passt, wenn sie so abgenutzt ist, dass sie nicht mehr repariert werden kann, oder wenn der jeweilige Mitarbeiter die Dienststelle verlässt (weil er in Rente geht oder den Arbeitsplatz wechselt). Von der nicht mehr benutzten Kleidung werden die Logos entfernt und die Kleider werden von sozialen Strukturen (z.B. dem „Jongenheem“) gesammelt, die sich um die Wiederverwertung kümmern.

So weit wie möglich werden nur solche Kleidungsstücke gekauft, die über ein Gütesiegel für Bio-Landwirtschaft bzw. fairen Handel verfügen (in diesem Fall Baumwoll-Produkte). Dies gilt nicht nur für Berufskleidung, sondern auch für Baumwolltaschen, Lauf-T-Shirts, Tücher und Bademäntel in den Schwimmbädern sowie für zahlreiche andere Produkte.

Die Stadt Luxemburg ist eine « Fairtrade Gemeng » seit 2013. Die von der Stadt eingekauften fair gehandelten Produkte tragen meistens das Max-Havelaar-Gütesiegel. Dieses Label umfasst alle vom Europaparlament vorgeschlagenen Kriterien zur Definition des fairen Handels. Wenn keine Produkte mit Fairtrade-Label verfügbar sind, wird auf Produkte zurückgegriffen, die das „Fair Wear“-Gütesiegel tragen. Je nach Verfügbarkeit auf dem Markt können die Produkte auch das Bio-Label (auf europäischer Ebene anerkannt) und das Label „Oeko Tex 100“ tragen.

Die Kleidung aus Polyester wird aus wiederverwertetem Polyester hergestellt. Für eine Gemeinde erweist es sich als schwieriger, Berufskleidung aus revalorisierten Materialien (Upcycling) zu verwenden, da diese Kleidung die Qualitätsvorgaben der Stadt Luxemburg nicht erfüllt. Die Berufskleidung mit Fairtrade-Gütesiegel ist von sehr guter Qualität und bietet mehr Komfort als die Kleidung, die vor der „Fairtrade Gemeng“-Zertifizierung genutzt wurde. Der höhere Preis dieser Kleidung wird durch eine längere Nutzungsdauer wettgemacht.

Place Jeanne d’Arc in Bonneweg

Frage von François Benoy

Die Place Jeanne d’Arc wird genutzt als Parkplatz sowie als Standort für eine „vel’OH !“-Station und Recyclingcontainer. Die Oberfläche dieses Platzes befindet sich in sehr schlechtem Zustand. Viele Kinder und Eltern durchqueren den Platz auf dem Weg zum nahe gelegenen Schulkomplex.

Die Bürgersteige sind an drei Stellen des Platzes abgesenkt, damit die Autos von allen Seiten auf den Platz fahren können. Dies macht den Platz besonders gefährlich für die Kinder. Zur Seite der Schule gibt es nicht einmal einen Weg, der den Fußgängern vorbehalten ist.

Wie gedenkt der Schöffenrat diesen Platz, der viel Potential für die Verbesserung der Lebensqualität der Bürger bietet, zu revalorisieren? Wie soll er sicherer für die Fußgänger gestaltet werden? Was wird getan, um die Sicherheit der Schüler auf dem Weg zum Schulkomplex zu verbessern? Welche anderen Plätze auf den Gebiet der Stadt Luxemburg werden in den kommenden Jahren aufgewertet, und wie sieht der jeweilige Zeitplan aus?

Antwort von Schöffe Serge WILMES 

Es besteht ein Projekt zur Umgestaltung des Place Jeanne d’Arc. Dieses Projekt ist Bestandteil des Projektes zur Umgestaltung der Rue Nic Martha, ein koordiniertes Projekt, das sich in den Mehrjahresplan des „Service SERCO“ (Coordination des chantiers) einschreibt.

Das Projekt, das in Abstimmung mit mehreren kommunalen Dienststellen (Service Hygiène, Service Espace public, Fêtes et Marchés, Service Circulation, Service Autobus sowie Service Éclairage public) ausgearbeitet wurde, sieht eine leichte Umgestaltung vor, insbesondere die Erneuerung des Straßenbelags mit einer Aktualisierung bzw. Anpassung der Parkplatz-Markierungen gemäß den aktuellen Normen, die Ausstattung der Bushaltestelle mit einem Bushäuschen und Bodenindikatoren (Noppenplatten) zur Führung von blinden und sehbehinderten Menschen, die Schaffung eines grünen Streifens entlang der Bushaltestelle, um den Bürgersteig und den Wartebereich der Haltstelle zum Parkplatz abzugrenzen und die Sicherheit der Fußgänger somit zu erhöhen.

Die Recyclingcontainer des „Service Hygiène“ werden verlegt und unterirdisch installiert. Zwei „Chargy“-Ladestationen werden eingerichtet. Die „vel’OH !“-Station bleibt am heutigen Standort. Der Bürgersteig wird beiderseits der Rue Nic Martha erneuert. Der Bereich der Kreuzung sowie der Abschnitt im Bereich der Schule werden umgestaltet bzw. erneuert, sodass die allgemeine Situation und insbesondere die Sicherheit der Fußgänger verbessert werden.

Im Sommer 2021 wurden Animationen auf dem Place Jeanne d’Arc organisiert. Auch weiterhin wird es möglich sein, dort Veranstaltungen abzuhalten.

Der Platz „Spidolsgaart“ in Pfaffenthal wird derzeit umgestaltet.

Das definitive Projekt für die Umgestaltung des zentralen Platzes des Viertels Pulvermühle sowie des Platzes zwischen den beiden Tankstellen wird derzeit im Rahmen einer Bürgerbeteiligung ausgearbeitet. Die Umsetzung erfolgt in Etappen in den kommenden Jahren.

Eine Bürgerbeteiligung läuft auch für den Place Sauerwiss in Gasperich.

Der Place de France wird provisorisch umgestaltet, bevor im zweiten Semester 2023 eine Bürgerbeteiligung für die definitive Umgestaltung des Platzes gestartet wird.

Bürgerbeteiligungsprozeduren wurden auch organisiert für die Rue de Strasbourg (wo die Umgestaltungen im Laufe des Jahres 2023 umgesetzt werden sollen) und für den Place de Paris (wo die Arbeiten abgeschlossen sind).

Die Stadt Luxemburg will auch für den Bahnhofsplatz eine Bürgerbeteiligung starten. Eine Umgestaltung der Avenue de la Gare wurde von mehreren Geschäftsleuten gewünscht. Es muss jedoch analysiert werden, ob es sinnvoll ist, zum jetzigen Zeitpunkt eine große Baustelle in der Avenue de la Gare zu organisieren, oder ob es sinnvoller ist, diese Frage im Rahmen der Umgestaltung des Bahnhofs anzugehen, eventuell mit provisorischen Umgestaltungen in der Avenue de la Gare.

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